So war die Berlin Alternative Fashion Week 2016 #BAFW #BAFW2016

Die Berlin Alternative Fashion Week ist so etwas wie die kleine Schwester der Mercedes-Benz-Fashion-Week und noch dazu das Berliner Modeevent für alle Paradiesvögel und Individualisten, die es modisch nicht unbedingt edel, sondern lieber ausgeflippt und unkonventionell mögen. Sie fand vom 16. bis 19. März 2016 statt.

Wir – Pauline und Ulrike – machten uns am Samstag auf, um für den Verführer dieses modische Highlight zu erkunden.

Die BAFW fand im Postbahnhof am Ostbahnhof statt. Der Backsteinbau mit industriellem Charme ist ein beliebter Veranstaltungsort, seit Jahren feiert hier der Fritz-Club seine Partys, die restliche Zeit finden in dem Gemäuer Messen statt. Zur alternativen Modewoche versprühte die Location genau die richtige Mischung aus Rauheit und Coolness, die am besten zu so einem „edgy“ Event passt, um mal ein cooles Wort zu verwenden. :)

Verfuehrer - Das Beste aus Berlin - BAFW 2016 - Foto by Verfuehrer

Von der herkömmlichen Fashion-Week waren wir langes Anstehen, aufwändige Platzanweisungen und ein volles Haus gewöhnt. Nichts dergleichen, als wir bei der Alternative Fashion Week am Nachmittag eintrudelten (erst gegen Abend strömten deutlich mehr Gäste herein). Nach kurzem Warten passierten wir einen völlig ungezwungenen Einlass (Presse-Akkreditierungen bekamen wir natürlich trotzdem) und dann konnte es auch schon losgehen!

Das Programm war zweigeteilt: Auf der unteren Etage gab es um die 30 Stände, an denen sich Labels präsentierten, im zweiten Stock war der Laufsteg aufgebaut, auf dem es fast ununterbrochen Schauen zu sehen gab.

Als Besucherinnen konnten wir nun ganz gemütlich von unten nach oben und wieder zurück pendeln. Egal, ob gerade eine Schau lief oder nicht – in den Hallen der Anlage konnte man sich leicht zwischendurch hinein- und wieder heraus stehlen, ohne irgend wen zu stören.

Der Messebereich war klein, aber fein. Unterschiedlichste Designer und Designerinnen präsentierten ihre Mode an den Ständen. Alle schienen zu einem kleinen Plausch aufgelegt, wovon wir dann für diesen Artikel auch ausgiebig Gebrauch machten :)

Stilistisch ist es schwierig, etwas Allgemeines über die vertretenen Labels zu sagen. In jedem Fall kamen sie aus den verschiedensten Ecken der Welt, neben Deutschland aus England, Frankreich, Italien, Slowenien, der Mongolei, Russland, Hong Kong oder Australien. Allgemein fiel auf, dass viele Kollektionen entweder sehr farbenfroh waren oder an BDSM-Optik erinnerten. Gerade bei den Schauen dominierten Fetisch-Einlagen, etwa bei den Kostümen des russischen Performance-Künstlers Andrey Bartenev.

Manche der Designer betreiben ein Start-Up, andere sind bereits gut im Geschäft. So etwa die junge Melbourner Designerin Nixi Killick, die vor drei Jahren von Lady Gaga „entdeckt“ wurde und die Kostüme für ihre „artRAVE“-Tour beisteuerte.

Der Stand der Berlinerinnen Albena Stateva von Bennelle und Ute Stephani war ganz der Upcycling-Mode verschrieben. Beide möbeln hochwertige Secondhand-Kleidung auf.

Verfuehrer - Das Beste aus Berlin - BAFW 2016 - Benelle und Ute Stephani - Foto Berline

Albena Stateva von Bennelle und Ute Stephani

Albena Stateva (bennelle.com) färbt die Kleidung auf natürlichem Wege mit Zwiebeln und Curcuma und verziert sie mit Häkelborten. Ute Stephani (dawanda.com/shop/ute-stephani) präsentierte handgenähte Blüten-Spangen bzw. Haarreif-Kreationen.

Verfuehrer - Das Beste aus Berlin - BAFW 2016 - Foto Berline

Ute Stephani mit ihren Haarreif-Kreationen

Im Allgemeinen ist die Zielgruppe der BAFW wohl eher die modische Untergrund- und Avantgarde-Szene. Dementsprechend schillernd traten die Gäste auf, die sich teilweise als lebende Kunstwerke gekleidet die Ehre gaben. Auffällig viele Transvestiten waren in divenhaftem Aufzug vertreten.

Im Folgenden gibt es von uns einen näheren Blick auf fünf Labels, die wir besonders spannend fanden.

Pauline:

Over All

Dass Mode, die auf der BAFW präsentiert wird, nicht zwangsläufig als Fetisch- oder Upcycling-Chique bezeichnet werden kann, trifft auf das junge Berliner Label Over All zu. Ganz seinem Namen entsprechend lockten mich die farbenfrohen und raffiniert geschnittenen Jumpsuits und Overalls an den Stand von Dominique Krauch.

Verfuehrer - Das Beste aus Berlin - BAFW - Over All - Foto Berline

Dominique Krauch von Over All

Sie erzählte mir genaueres von der Herstellung der Kleidung, während ich mich begeistert zwischen ihren Kunstwerken umsah. Jedes Stück fertigt sie nicht nur vom Schnitt bis zum Finishbügeln selbst an, sondern färbt die Stoffe in der Regel sogar nach sämtlichen Formen der Kunst selber ein.

Verfuehrer - Das Beste aus Berlin - BAFW - Over All Stand- Foto Berline

Vom Regenbogen-Batik auf den Einteilern bis hin zum filigranen Siebdruck tummelten sich die unterschiedlichsten Muster auf den zwei Kleiderstangen. Sogar einige Stücke ihrer Abschlusskollektion, die sie an der Kunsthochschule Weißensee vor drei Jahren vorstellte, konnten von Besuchern bestaunt werden. Auf dem Laufsteg der BAFW konnte man Over All’s Jacken, Pullover etc. leider nicht finden, allerdings können wir uns in nächster Zukunft vielleicht über das eine oder andere Projekt freuen, bleibt dran auf ihrer Internetseite: www.over-all.de

 Tata Christiane 

Als eines der markantesten Labels, die  bisher auf der BAFW wirkten, erachte ich das Kollektiv Tata Christiane. Eine kurze und treffende Charakterisierung der komplexen Kreationen ist nahezu unmöglich, aber dies machte die Modenschau meiner Meinung nach auch so aufregend. Typisch Tata – die Gewänder wehten farbenfroh zwischen Oversize-Pullovern und flatternden Sommerjacken hin und her.

Besonders meisterhaft finde ich die Verarbeitung verschiedenster Materialien miteinander, so wie etwa gitterartige Wollstrickmuster zwischen gemusterten und mit Pailletten verzierten Geweben. (siehe Fotos)

Macht euch am besten selbst ein Bild vom Uni-Chique mit Upcycling-Charme: tatachristiane.com

Urban Spree Art 

Auch die Künstler der Tacheles-Art-Akademie (eine Kunstschule des immer noch aktiven Zweiges des standhaften Künstlerhauses an der Torstraße) zogen mit ihren selbst gestalteten Unikaten von der Berliner Fußgängerzone in die Messehalle ein. Die Jungs und Mädels bedruckten Shirts selber. Im Gegensatz zu anderen Ausstellern konnte man hier sogar beim Entstehungsprozess der plakativen Prints zusehen.

Verfuehrer - Das Beste aus Berlin - BAFW - Urban Spree Art 1 - Foto Berline

Verfuehrer - Das Beste aus Berlin - BAFW - Urban Spree Art 2 - Foto Berline

Solltet ihr dies verpasst haben, so empfehle ich euch, dem Künstlerkollektiv mal einen Besuch an der Warschauer Straße abzustatten, wo sie im Bereich des RAW-Geländes ihre Shirts verkaufen: www.urbanspree.com

Ulrike:

L.O.M Fashion

Besonders beeindruckt hat mich die Festival-Mode des Brightoner Labels L.O.M Fashion. Designerin Louise O’Mahony nimmt sich jedes Jahr ein anderes Motto vor, das sie in ihren Kreationen verarbeitet.

Verfuehrer - Das Beste aus Berlin - BAFW 2016 - L O M Fashion - Foto Berline

Louise O’Mahony von L.O.M. Fashion

Das Ergebnis sind dieses Mal enge Lycra-Gewänder, die paradiesisch bedruckt sind. Egal ob Bodys, Overalls, Leggings, bodenlange Kleider oder pinke Plüschmäntel: Hauptsache schrill, gerne mit floralen Mustern oder 70er-Jahre-Elementen wie Fransenärmeln oder Folklore-Krägen.

Irgendwie erinnert L.O.M an eine Kombination aus ABBA, Loveparade und Enie van de Meiklokjes.

Verfuehrer - Das Beste aus Berlin - BAFW 2016 - L O M Fashion 3 - Foto Berline
Auf diesem Foto seht ihr mich mit meinem apfelgrünen Lieblingskleid von L.O.M :)

Zu finden sind die wunderbaren Sachen hier: www.etsy.com/uk/shop/LOMstore

Zlism

Das schräge Hong-Konger Label Zlism ist für Streetwear mit Comic-Elementen bzw. riesigen Buchstaben-Prints bekannt. Eine Spezialität des Labels sind sportliche Oversize-Schnitte, die meistens unisex getragen werden können. Designerin Zoie Lam steckte etwa ein männliches Model in weite rosa schimmernde Hosen und ein knalloranges Oversize-T-Shirt mit ebenso überdimensionalen Glitzersteinchen – auf diesem Foto bearbeitet sie es gerade vor der Show:

Verfuehrer - Das Beste aus Berlin - BAFW 2016 - Zlism - Foto Berline

Für die Herren der Schöpfung gab es außerdem Overalls mit Army-Muster in Regenbogenfarben. Einem weiblichen Model in einem transparenten schwarzen Kleid mit buntem, figuralen Muster legte die Designerin als Gag eine riesige einäugige Plüschschlange in Orange über die Schulter.

Verfuehrer - Das Beste aus Berlin - BAFW 2016 - Zlism 2 - Foto Berline

Als Zoie Lam vor der Show ihren Stand betreute, zeigte sie sich in einem kurzen Gespräch sehr sympathisch. Sie betonte, wie sehr sie Berlin als kreative Stadt liebe und dass sie gerade den Austausch unter internationalen Künstlern hier sehr schätze. Mehr von ihr findet ihr auf Facebook: www.facebook.com/Zlism

Unser Nachmittag auf der Berlin Alternative Fashion Week 2016 war ein sehr inspirierender Einblick in die Modewelt jenseits des Mainstreams. Von einigen Labels sind wir jetzt schon Fans und werden sie in Zukunft auf jeden Fall im Auge behalten.

Bleibt verführerisch,

Ulrike & Pauline

PS: Alle Labels auf der BAFW 2016: Denim Project, Super Fashion Rainbow Camp, A.M. Viktoria, Therapy +, Phine Raun, Wilfried Pletzinger, Master & Maedchen, Re-Cycle Style, Jule Waibel, Maison Mason, Tata Christiane, George Styler, Obectra, Jack Irving, Skylla & Charybdis, Ivana Pilja, Tzuji, Zlism, Justyna Koeke, Futuristic Type, Ria Keburia, 8Dix, Nixi Killick, Masha Nechaeva, L.O.M., SFRC, Andrey Bartenev, UY und Vita Datura.

Check! :)

Mehr zur BAFW www.berlinalternativefashionweek.com

 

Fotos: Berline (Pauline Stockmann)

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