Echt dufte, diese Ausstellung! “reconstruction” von Parfumeur Christophe Laudamiel bis 03. Mai in der mianky. gallery

Wenn ich sonst so locker aus der Hüfte sage: “Die Ausstellung müsst Ihr sehen”, will ich das diesmal pingeliger und extra genau ausdrücken. Denn sonst verpasst man das Beste. Also: Diese Ausstellung müsst Ihr sehen. Und vor allem – riechen!

Bis zum 03. Mai 2015 präsentiert mianky. gallery in Schöneberg olfaktorische Arbeiten und Kunstwerke des in New York und Berlin lebenden und arbeitenden Parfumeurs, Autors, Dozenten und Duftkünstlers Christophe Laudamiel. Als Parfumeur hat der gebürtige Franzose unter anderem an der Entwicklung von Düften für Estée Lauder, Ralph Lauren, Burberry, Tom Ford und viele weitere weltberühmte Namen mitgewirkt. Für den Film “Das Parfüm” von Tom Tykwer nach dem Roman von Patrick Süskind kreierte er den sogenannten “Scent-Track”. Jedem, der Christophe begegnet, bleibt seine tiefe Faszination der olfaktorischen Welt gegenüber in Erinnerung. Ich glaube, auch seine begeisternde Art zu erzählen kommt auf den Fotos ganz gut rüber :)

Am letzten Donnerstag habe ich für Euch in die Vernissage buchstäblich hinein geschnuppert. Und war begeistert! Vielen lieben Dank nochmal an Galerist Andreas Herrmann und Christophe selbst, denen ich Löcher in die Bäuche fragen durfte. Ich gestehe: ich bin ein absoluter Düfte-Junkie.

Zu sehen und vor allem zu riechen gibt es in der Ausstellung elf Exponate, wenn ich keines vergessen habe. Sie sind eingeteilt in fünf thematische Bereiche. Im vorderen Galerie-Raum beginnt die Duftreise mit einer Erfahrung, die ich extrem spannend fand. Unter den Titeln “Feathers and Fur” und “Real or not Real” sind zwei Holzrahmen auf je einem Sockel aufgebaut, welche durch leichten Druck auf den Sockel einen Duft verströmen. Bis hierhin technisch raffiniert gelöst. Aber noch nicht sooo spektakulär. Das ändert sich schlagartig, wenn man durch die Rahmen auf zwei an der jeweils gegenüberliegenden Wand installierte, inhaltlich sehr verschiedene Installationen schaut. Es ist unfassbar. Aber das, was man sieht, verändert die eigene Wahrnehmung ein und desselben Geruchs. Ich will jetzt nicht zu viel verraten. Das muss man unbedingt selbst mal ausprobiert haben.

Im nächsten Raum, einem schmalen Flur, begegnet man unter dem Titel “Five Shades of Berlin” der duftenden Hauptstadt. Und zwar hat Christophe verschiedene Düfte auf kleinen Duftträgern in fünf zauberhafte Terrinen-artige KPM-Schalen gelegt. Über jeder Schale, Scent Parabol genannt, hängt ein Tüchlein. Das verhüllt einen Begriff, der für den in der Schale verborgenen Duft steht, der ganz eng mit Berlin verbunden ist. Die Idee ist diese hier: Ihr hebt den Deckel an und schnuppert an ihm, nehmt den Duft auf und schaut, was er Euch sagt. Welche Emotionen er weckt. Dann schließt Ihr die Schale wieder und schaut unter das Tüchlein. Passt das Wort zu dem, was Ihr gerochen habt und dabei dachtet? Jetzt hebt nochmal den selben Deckel und schnuppert erneut. Hat sich der Duft verändert? Wie nehmt Ihr ihn jetzt wahr? Das ist nicht nur eine faszinierende olfaktorische Reise durch ein Berlin in Euren Gedanken, sondern macht auch richtig Spaß, den Duft zu erraten.

Das Highlight war für mich ein von Christophe komponierter Duft, den man wohl ohne Übertreibung als olfaktorisches Weltkulturerbe bezeichnen kann. Christophes Ziel als Parfumeur war es, den Duft des alten, legendären New Yorker Chelsea Hotels  einzufangen. Und zwar vor dem Sanierungsbeginn in 2011. Ich tauchte also den kleinen Papierstreifen in eine Dose, die den Duft enthielt. Und auf einmal erschien vor meinem inneren Auge eine Lobby mit schweren Ledersesseln, eine plüschige Bar mit Menschen, die an Cognacschwenkern und Whiskeygläsern nippen, es duftete nach Tabak und gepuderten Damen, und nach wohligen Küchenaromen wie stundenlang gekochter, dunkler Tomatensauce.

Den kleinen Papierstreifen darf man geschützt in einer kleinen Hülle mit nach Haus nehmen. Und dort die alte Welt des Chelsea Hotels in seiner Vorstellung immer wieder neu erstehen lassen. Bis es verduftet.

“reconstruction” – Christophe Laudamiel
26.03. – 03.05.2015 | Di-Fr 15-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr

mianky. gallery
Kalckreuthstraße 15
10777 Berlin-Schöneberg
+49.30.364.327.08

www.mianki.com

 

 

© Fotos & Text: Verführer – Das Beste aus Berlin

 

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