Und nach dem Büro? Warum nicht mal spontan ins Londoner Royal Opera House.

Ante scriptum: Die wackeligen Fotos sind meiner inneren Bewegtheit geschuldet. Leute, ich war im Royal Opera House in London und hab‘ mir Don Giovanni von Mozart angesehen!  Ok, is ’n bisschen geschummelt. Die Technik sparte mir das Flugticket. Genau genommen bin ich ins UCI Kino Colosseum an der Schönhauser Allee spaziert, in Kino 10. Da hin wurde die Oper live übertragen. Und übrigens auch in viele weitere Kinos in Dschörmenie und andere Länder. Also ein multikulturelles Ereignis erster Güte. Pöh, ist ja wie 3sat gucken, denkt ihr jetzt vielleicht. Nö. Ist wie in die Oper gehen, nur ganz entspannt, ohne sich vorher Aufrüschen zu müssen. Die Oper wurde im Livestream via Satellit direkt aus London gesendet. Los ging’s um acht, für die Briten um sieben, der Zeitverschiebung wegen. Vorher gab’s ein Sektchen auf Einladung des Kinos für alle Operngucker. Und dann habe ich mich – gerade dem Bürostuhl entschlüpft – in den Kinosessel gelümmelt und – schwups – war sofort drin im Opernfieber.

Man sitzt nicht einfach vor dem Leinwand-Abbild  eines roten Vorhangs, der sich erst dann langsam hebt, wenn die Musiker die Geigenbögen lüpfen. Nein, zuerst sahen wir einen charmanten britischen Moderator in der beeindruckenden Paul Hamlyn Hall Champagne Bar gleich neben der Oper, der mit Herzblut und Begeisterung alles erklärt hat: die Story um Don Giovanni, die Sänger des Abends. Und die italienischen Begriffe hat der englische Muttersprachler in so einem hinreißend perfekten Italienisch ausgesprochen, dass ich mich schon nach wenigen Minuten bestens und kompetent unterhalten fühlte. Übrigens wurden alle Kommentare und auch die gesungenen Passagen für uns in Deutsch am unteren Leinwand-Ende eingeblendet. Wir spazierten bis zum Beginn des Stücks gemeinsam mit dem Kamerateam durch die Proberäume und Garderoben der Darsteller, trafen den charismatischen Schuft Don Giovanni, Donna Anna, Donna Elvira, Leporello, den Dirigenten, die Bühnenbildner und weitere Protagonisten des Abends, und sie erzählten uns ihre Sicht auf das Stück. Ein exklusiver Einblick, auf den das Ottonormalopernpublikum im Theatersaal leider verzichten muss. Gut, die können uneingeschränkt die geballte Atmosphäre des gigantischen Saals schnuppern. Auch toll. Aber in der Pause dem Interview des charmanten Moderators mit dem Direktor der Royal Opera Kasper Holten zu lauschen und zu merken, die beiden plaudern richtig und überbieten sich in ihrer Begeisterung für Opern – ein weiterer Grund für mich, wieder im Kino in die Oper zu gehen.

Das Stück hat mich sofort gepackt. Spiel- und Singfreude der Sänger und Statisten springen einem über die Leinwand ja viel spontaner und großformatiger entgegen als sonstwo in Reihe 32. Kostüm und Maske – im Kino so nah zu bestaunen wie sonst nie. Das Bühnenbild beeindruckte an diesem Abend übrigens als ein drehbarer, dreidimensionaler Raum mit Türen, Etagen, offenen Wänden und Treppen, auf den eindrucksvolle Effekte projiziert wurden, wie beispielsweise unzählige Namen all der Geliebten Don Giovannis oder blutrote Farbverläufe und sich bewegende Raum-Illusionen.

Für den zweiten Akt hatte ich mir übrigens ein Bier geholt und kam mir dann selbst irgendwie ein wenig prollig vor. Opernflair ist anscheinend ein Fluidum, dass auch via Satellit übertragbar ist. Nächstes Mal bleib ich bei Sekt. Schlürf*

Nächste Termine, vielleicht auch in Deinem Kino. Check!

19.03.2014 – LIVE – The Royal Ballet – Dornröschen von Tschaikowsky

28.04.2014 LIVE – The Royal Ballet – Das Wintermärchen von Talbot (Musik) und Wheeldon (Choreographie)

24.06.2014 – LIVE – The Royal Opera – Manon Lescaut von Puccini

Eintritt: ca. 25 EUR

www.roh.org.uk/cinemas

 

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