Liebe Sinne, bitte anschnallen – Palazzo Berlin

Zum Jahresausklangsritual der Verführer-Redaktion gehört seit sieben Jahren, Anfang November ins Palazzo zu gehen. Ins Spiegelzelt am Humboldthafen. Dorthin lädt Eventgastronom Hans-Peter Wodarz, ihm zur Seite ein bekannter Berliner Kochs mit seinem Küchenteam, internationale Akrobaten, Schauspieler, Musiker, Sänger und nicht zuletzt ein großes Team von Servicekräften, zu einem Mix aus abendfüllender Show- und Restaurantbesuch. In der Spielzeit bis März unterhält das Restaurant-Theater Palazzo sein Publikum mit Gaumenfreudigem, Artistischem, Musikalischem und Komödiantischem.

Das Palazzo-Spiegelzelt (30 m tief, 8 m hoch, 1.200 Spiegel!) steht in Sichtweite zum Hauptbahnhof. Die Umgebung ist etwas baustellig, aber das gehört zweifelsohne zum Berlin-Spirit. Holzsteg und weiße Lichtkugeln begleiten einladend den Weg zum Zelteingang. Im Foyer hat man Gelegenheit auf ein Gläschen Sekt, danach wird man von einer Servicekraft an seinen Tisch im Hauptzelt geleitet. Mit rund 370 Plätzen stehen die festlich gedeckten Tische kreisförmig um ein versenkbares Podest in der Zeltmitte, dazu gibt es eine größere Bühne an der Stirnseite. An den Tischen finden je 6 bis 8 Personen Platz. Lüster und Kerzen zaubern festliche Stimmung.

Den roten Faden des Abends bilden das viergängige Gourmet-Menü und die Show – gekonnt darin verwoben sind akrobatische Acts, Livemusik, Gesang, Zauberei und Stand up Comedy. Titel der Show dieses Jahr: „Der Ball des Grafen“. Uns bot sich eine unterhaltsame Geschichte mit leicht transsilvanischem Flair, die vom charmanten (und extra für diesen Abend zum Leben wiedererweckten) Grafen Voronin samt seinem skurrilen Hofstaat erzählt. Der Graf ist auf der Suche nach der echten Liebe. Schöne Damen an seiner Seite dürfen da natürlich nicht fehlen … In den Spiel-Pausen serviert das quirlige Serviceteam ein edles Vier-Gang-Menü. Ganz scheu darf man als Gast bei dieser Kombination aus Artistik und Küche nicht sein. Für manchen wird der Besuch zu einem Ganzkörpererlebnis. Dass eine Dame zum Tanz aufgefordert wird, oder ein Herr als Zaubertrick-Assistent herhalten muss, kommt durchaus vor. Jedoch nichts, was einem unangenehm sein müsste.

Dieses Jahr gab es eine spannende Neuerung. War die letzten Jahre Zwei Sterne Koch Christian Lohse aus dem Restaurant Fischers Fritz im Regent-Hotel für die Speisen verantwortlich, wartete man dieses Jahr neugierig auf die Kreationen von Ein Sterne- und Fernsehkoch Kolja Kleeberg. Das Motto: „VAU meets Palazzo“. VAU ist das Restaurant von Kolja Kleeberg gleich ums Eck vom Gendarmenmarkt. So servierten die fleißigen Kellner, die übrigens Abend für Abend für alle Gänge (auch die buchstäblichen) von der mobilen Küche an die Tische rund 10 km Strecke zurücklegen …

… zur Vorspeise sautierte Garnelen mit Tandoori-Sauce, Gurkenjoghurt und Zwiebelpakora,

der Fischgang war eine gebackene Kabeljau-Brandade mit Kokos-Sepia-Aioli und Orangen-Fenchel Salat,

zum Hauptgang gab es „Schulterscherzel“ – in Balsamico geschmorte Rinderschulter mit Feige, Chicorée, Polenta und geröstetem Senf

und das Dessert: Croustillant und Parfait von Schokolade auf Dattelcreme und Kirschsorbet.

Na, Hunger bekommen? Recht so. Lecker war’s! Eine gelungene Kombi vielfältiger Aromen in den einzelnen Gängen und ein raffiniertes Spiel zwischen asiatischer und europäischer Küche. Eines der Highlights war definitiv die köstlich schmelzende Nachspeise. Wie auch immer Kolja sie bereitet hat – göttlich. Kompliment ans Küchen-Team für die Leistung, in einer mobilen Küche von nur 80 m²  ein Gourmet-Menü für bis zu 370 Gäste auf den Punkt zu zaubern. Wow!

Unser Abend: unterhaltsam, genussvoll und sehr amüsant. Das Können der Artisten raubt einem einfach den Atem. Der Service bei Palazzo ist aufmerksam und alles andere als steif.  Die Show um Graf Voronin ist poetisch und  liebevoll inszeniert. Als er zwischendurch mit seinem kuriosen Gefolge durch die Tischreihen flanierte und an unserem Tisch vorbei spazierte, bekam meine Tischnachbarin sogar einen Brief vom Schatten des Grafen gereicht, darin stand: „Folge mir in meine Welt …“. Das taten wir mit Vergnügen. Wenn auch Ihr Euch in einen Abend voller Genuss für Gaumen, Augen und Ohren begeben wollt, habt Ihr noch bis zum 02. März 2014 die Gelegenheit. Karten gibt es ab 79 Euro, mit verschiedenen Arrangements kann man  seinen individuellen Abend schon im Vorfeld planen. Beginn ist jeweils um 19:30 Uhr, an Sonntagen um 18:00 Uhr. Das Foyer und die Bar sind bereits 60 Minuten vor Showbeginn geöffnet.

www.palazzo.org 

Tickets unter 01806 – 388 883 – [Mo-Fr 8:00-20:00 Uhr und Sa/So 10:00-16:00 Uhr / 0,20 €/Anruf aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,60 €/Anruf]

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