Berliner Modedesigner – Die Menschen hinter dem Label #2: Andrea van Reimersdahl – Anziehend architektonisch

AVR ist als Kunstlabel für Andreas Diplomarbeit entstanden – eine Siebdruckarbeit auf verschiedenen Materialien wie Glas, Holz, Papier, unter anderem auch auf T-Shirts. Sie präsentierte die Installation in der ehemaligen Aroma-Galerie in der Gormannstraße.  Dort wurden die T-Shirts als dreidimensionales Mobilé gezeigt.  Ein Einkäufer kam zufällig  vorbei. Er fragte, ob der die T-Shirts bestellen kann. Andrea war überrascht und dachte, ja klar, super, wenn ich damit Geld verdienen kann. Das war 2003. Damit fing alles an.

Ihre bedruckten T-Shirts liefen so gut, dass Andrea nach einem Jahr bereits 10 Geschäfte belieferte. Bis zu dem Zeitpunkt konnte sie weder nähen noch zuschneiden. Sie hatte in London und Berlin Malerei studiert. Jetzt war der Stoff ihre Leinwand. „Wenn der Einkäufer damals nicht rein gekommen wäre – ich wäre nie auf die Idee gekommen, etwas mit Mode zu machen.“

Die urbanen Strukturen der Großstadt sind Inspiration für das  Modedesign der Wahlberlinerin Andrea van Reimersdahl, die aus Bocholt nahe der niederländischen Grenze kommt. Daher stammt auch das „van“ in ihrem Namen. Ein Häuschen auf dem Land? „Nix, niemals! Ich brauche das Street-Life. Man hört nicht auf zu denken, es ist immer bewegt. Hier kann man überall draußen sitzen und man trifft ständig Leute.“ Andrea braucht nicht nur die Bewegung, sondern auch die Geometrie der Stadt und der Architektur für ihre Kreativität. In ihrer Designarbeit findet sie es immer wieder faszinierend, aus der zweidimensionalen Fläche, in diesem Fall ihre Schnittteile, etwas Dreidimensionales zu gestalten. So wird unter ihren Händen aus einem Rechteck, Quadrat oder Kreis aus Stoff ein dreidimensionales Kleidungsstück.

Andreas Lebensgefährte ist Architekt. Aktuell hat er eine Villa im Grunewald mit Fassadenfliesen ausgestattet, die als Form per Siebdruck auch auf Andreas Mode erscheint. Andrea erarbeitet ihre Mode wie eine künstlerische Collage. Auch Farben sind ihr wichtig. „Früher war ich Neon und schrill bunt, daran habe ich mich aber mittlerweile satt gesehen.“ Jetzt sind die Töne bedeckter, aber einen knalligen Farbklecks gibt es nach wie vor als Detail in ihrer Mode. Die eigentlichen Effekte der Kleidung kommen mittlerweile sanfter daher. Es sind unterschiedliche Lichtreflektionen, die Andrea durch die Verwendung verschiedener Stoffe erreicht.

Das Leben findet auf der Straße statt

Nach 8 Jahren kam der Break mit den Shops, die sie aufgebaut hatte.  Sie verabschiedete sich vom Modell ‚Boutique-Atelier‘. „Es war ein Treffpunkt für Kunden und Freunde, so dass ich zum Schluss kaum noch zum Arbeiten kam. Ich konnte gar nicht mehr wirklich kreativ sein, war den Großteil meiner  Zeit nur mit Geschäftsführung und Management ausgefüllt. Ich bin froh, dass ich nun wieder frei für neue Dinge bin. Heute gehe ich auf die Leute zu, die für mich spannend sind.“ Vor kurzem hielt Andrea in Los Angeles einen Vortrag zum Thema ‚Über die Nische zwischen Kunst, Architektur und Interior Design‘. „Das ist für mich viel spannender. Diese Kommunikation zwischen Architekten und Innenausstattern fasziniert mich viel mehr.“

Ihre Mode wird mittlerweile viel in Arabische Länder exportiert. Jetzt hat sie Zeit für das, was ihr Spaß macht. Auf einen Bereich legt sich Andrea aber nicht fest. „In Amerika würde man mich als Urban Artist bezeichnen. In Deutschland gibt es keinen klaren Begriff dafür. Ich arbeite zwischen Mode, Kunst und Architektur.“ So hat sie vor Kurzem eine Wandmalerei für das Foyer der Berliner Skybar Solar gestaltet. Derzeit entwirft und bedruckt sie mit moderner Architektur korrespondierende Vorhänge.

Wenn es um die eigene Kleidung geht, mag Andrea es weit und bequem. Sie trägt gern schwarz und viel ihr eigenes Label AVR. Individualität ist ihr wichtig beim Kleiden, weniger die Marke. „Wenn alle zu gut gekleidet sind, ist es auch uniform. Lieber so uncool, dass es schon wieder cool ist!“ Aus Los Angeles hat sie sich einen Seidenblouson aus den 60er Jahren mit einem grafischen Print mitgebracht. Und wenn sich Andrea entspannen will? „ Dann mache ich Sport. Kein Yoga. Ich powere mich aus. In 40 Minuten 14 Runden, zweimal die Woche.“ Nicht nur Berlin, auch Andrea ist immer in Bewegung.

Andrea über das Superheldin-Shooting, Kopenhagener Straße im Prenzlauer Berg: „Das Modell war echt eisern, denn es war eiskalt. Sie tat mir so leid, aber was soll ich machen? Ich designe nun mal keine Thermohosen.“

AVR Andrea van Reimersdahl | Rykestraße 4 | 10405  Berlin | +49 (0179) 6641188
www.van-reimersdahl.com

Fotos: SCHALL & SCHNABEL Photography. BERLIN,  Models: Ulrike Reschke (Fotos mit schwarzer Maske), Anja Fischer (Foto mit weißer Maske),  Haare & Make up: Kristina Lorenz,  Mode: AVR

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