Berliner Modedesigner – Die Menschen hinter dem Label #7: Butterflysoulfire

Butterflysoulfire. Den Labelnamen hat sich Thoas Lindner vor 10, 12 Jahren ausgedacht, erzählt er. „Ich kenne keinen, der auch Thoas heisst. Aber ich habe mal erzählt bekommen, dass es einen Schmetterling mit Namen Papilio Thoas gibt. Da hatte ich plötzlich den Schmetterling angeheftet. Damals mochte ich den Song Soulfire von Lee Perry. Ich packte beides zusammen und der Labelname war geboren.“ Er überlegt kurz und sagt: „Und dann gibt’s noch eine romantische Erklärung. Was könnte in so einem zarten und zerbrechlichen Geschöpf wie einem Schmetterling stecken, wenn nicht eine brennende Seele?“

Alles begann mit einer Jeans, die Thoas nach einer Partynacht bearbeitete und modifizierte. Er schrieb auf das Hosenbein: Is this the beginning of something?  Das sollte sich als Orakel erweisen. „Ich habe nicht studiert, kein Abi, aber mein ganzes Leben hart gearbeitet und mir die Dinge beigebracht, die ich brauchte.“ Der Potsdamer ist Autodidakt im Modedesign. Die Schnitte macht Thoas selbst, erst wenn es sehr kompliziert wird, holt er sich Unterstützung. Er führt das Label zusammen mit Maria Thomas aus München. Die beiden waren eine Zeit lang ein Paar und haben eine gemeinsame Tochter. „Ich arbeite intuitiv, Maria ist konzeptioneller. Ich bin eigentlich so: ich habe eine Idee, mache dann den Schnitt und nähe. Da bin ich richtig eigenbrötlerisch in meinem 15 qm Kelleratelier.“

Thoas entwirft die Männer-, Maria größtenteils die Damenkollektion. Seine aktuelle Mode ist inspiriert von traditionellen chinesischen Rüstungen. Aus den oft weniger tragbaren, inspirativen Modellen fließen dann Elemente in den tragbaren Bereich der Kollektion ein. „Ich entwerfe nichts, was ich nicht selbst tragen würde. Da bin ich radikal. Nach der Trennung von Maria habe ich nur weiß getragen. Das tue ich bis heute. Weiße Jeans hole ich mir vom Flohmarkt, denn die kauft sonst niemand. Heute trage ich noch eine weiße Jacke, die ich mal als Muster genäht habe. Im Laden verkaufen wir 90% schwarze Kleidung und nur 10% weiß. Weiß zu tragen traut sich keiner. Auf der Fashionweek in Paris tragen alle nur schwarz.“

„Kleidung transportiert Identität.

Thoas Lebensmaxime: No Gods, no Masters. Er will Trends setzen und gucken, was er damit beeinflussen kann. „Wir waren Anfang 2002 extrem bunt, haben massenweise T-Shirts aufgekauft, auseinander genommen und neu zusammen genäht. Ultrabunt passte gut zu der Zeit. Da ging die Presse drauf ab, alle Sender und Magazine haben berichtet. Dann gab es eine Zeit, da waren wir mal kurz davor, alles hinzuschmeißen. Wir hatten kein Geld mehr, aber noch meterweise Stoff und haben bei einem Stoffhändler 300 m Stoff gegen Dinge getauscht, die wir brauchten. Daraus haben wir eine Kollektion entworfen und in Paris einen Showroom gemacht. Und plötzlich lief es. Paris ist das Modezentrum. Ich wär so gern der erste Berliner, der einen eigenen Laden in Paris hat. Das hat nicht mal Michalsky.“

Während des Interviews bekommt Thoas einen Anruf. Es ist Sängerin Mieze von MIA. Sie kommt auf einen Sprung zur Anprobe für ihre Tour vorbei. Thoas hat weiße Tops und Kleider mit LEDs entworfen, die bei Bewegung aufleuchten. Mieze ist begeistert.

„Ich habe mal von der Weltherrschaft geträumt, aber letzten Endes will ich nur glücklich sein. Manchmal nervt der Mode-Zirkus. Ist es Arbeit, die einen bestimmt? Wo ist Identität über die Arbeit hinaus? Viele Menschen stürzen sich in Arbeit, um sich von sich selbst abzulenken. Am liebsten würde ich alle Menschen für immer grundlos glücklich machen. Daraus entspringt alles andere.“

Butterflysoulfire, Mulackstraße 11, 10119 Berlin-Mitte

butterflysoulfire.blogspot.de

© Verführer – Das Beste aus Berlin | Interview: Stephanie Schneider | Foto: Butterflysoulfire Thoas Lindner

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