Berliner Modedesigner – DIe Menschen hinter dem Label #13: kimberit. Mode ist Kunst – kein Trend

Ihre Oma war Schneiderin, aber für ihre Schwester und Kim Berit war das Nähzimmer tabu. Damit sie nichts unordentlich machen. So wurde daraus für sie ein magischer Ort. „Manchmal durften wir zugucken. Die Art, wie meine Oma arbeitete, sah ich gern, und es roch dort auch besonders, nach Nähkreide und den Stoffen.“

Weil sie es als wichtig empfand, Kleidungsstücke von Grund auf verstehen, absolvierte Kim Berit Heppelmann nach der Schule eine dreijährige Schneiderlehre in ihrer Heimatstadt Hamburg. Mit dem Gesellenbrief in der Tasche ging sie dann 2002 nach Rom, um ihr Modedesign-Studium zu beginnen. „Meine Italienischkenntnisse beschränkten sich auf: ‚Hallo, ich heiße Kim, ich komme aus Hamburg‘. Ich hatte in den Vorlesungen anfangs echt Probleme mit den vielen Fachbegriffen, stand in den Pausen am Rand, und habe gemerkt, wie elementar Sprache generell ist. Unter diesem Druck habe ich dann schnell Italienisch gelernt  und nach einem Jahr meine Prüfungen auf Italienisch gemacht. Das war hart, ich habe auf Deutsch gelernt, und mir dann nochmal alles ins Italienische übersetzt.“

Mit der Schneiderlehre hat Kim ihren Kommilitonen in Sachen Perfektion einiges voraus. Nähen zu können ist keine Voraussetzung fürs Modedesign-Studium, denn nach den fertigen Entwürfen gibt ein Designer viele Arbeitsschritte aus der Hand. „Manche Studenten haben nur ganz einfache Stücke entworfen, damit sie das umsetzungstechnisch schaffen. Deine Hände müssen den Stoff und den Umgang damit ja auch beherrschen. Es gibt schwierige Stoffe, und da hatte ich dann wiederum ein kreativen Nachteil, wenn man so will, denn ich wusste: Mit dem Stoff geht das nicht, das brauche ich gar nicht erst versuchen.“

„Ich sage selten Mode. Ich sage oft Kleidung.“

Der Zeit in Rom folgten Köln und Maastricht, schnell kommen die ersten Auszeichnungen für Kims Arbeiten. 2009 gründet sie ihr Label kimberit, mittlerweile ist sie als Designerin bekannt, manches ihrer Kleider sah man bereits auf dem roten Teppich. Kim arbeitet minimalistisch, konzeptionell, gern auch Disziplinen übergreifend. „Mode ist für mich ein künstlerisches Medium. Der Maler hat Leinwand und Pinsel, der Fotograf die Kamera, ich habe mir das Medium Kleidung ausgesucht, um etwas dazustellen, Atmosphären zu erzeugen und eine Geschichte zu erzählen.“ Ihre modische Handschrift ist variantenreich. „Bei mir gibt es keine typischen Schnitte oder Kleidungsstücke, an denen man kimberit erkennt. Ich fange immer von null an und erarbeite ein Thema neu.“ Zum Beispiel, wie man die Dynamik von Kleidern beschreiben kann in „Dynamic of a dress“, oder die „One Piece Methode“, in der Kim aus einem einzigen Stoffteil ein Couture-Kleidungsstück zaubert.  In ihrer aktuellen Kollektion Z|wie|licht spielt sie mit den Verläufen von hell nach dunkel, von real nach surreal, von 3D nach 2D. „Mode ist für mich ein künstlerisches Medium, und nichts zum Shoppen. Ich ziehe mich gern entspannt an, wenn ich mit Freunden ausgehe. Dann höre ich manchmal: Was, Du bist Modedesignerin? Es klingt verrückt, aber ich gehe nicht gern shoppen. Zum Glück ist das die Leidenschaft meiner Mutter, die hat einen tollen Geschmack und davon profitiere ich dann auch.““

Berlin hat einiges dazu beigetragen, wie sich Kims Arbeit entwickelt. „Berlin ist ein super Etikett an sich. Wenn man seine Arbeit im Ausland präsentiert, und sagt, dass man aus Berlin kommt, sagen alle: Echt? Berlin, wow! Berlin ist nicht mehr gleichgesetzt mit Streetwear, was es lange war. Sondern Berlin steht jetzt für die Vielfalt der Kleidung.“ Und dann fügt sie hinzu: „Ich sage oft ‚Kleidung‘. Viel öfter als ‚Mode‘.“

kimberit, Reichenberger Straße 72 A, 10999 Berlin-Kreuzberg

www.kimberit.com

 

© Verführer – Das Beste aus Berlin | Interview: Stephanie Schneider | Foto: Iris Friedrich

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