Berliner Modedesigner – Die Menschen hinter dem Label #5: Esther Perbandt – Deine Kleidung trägt den Träger.

Esther Perbandt ist Berlinerin. Jahrgang 1975. Sie antwortet auf meine Fragen entwaffnend ehrlich, gewitzt und erzählt frei von der Leber weg. Dabei switcht ihre Persönlichkeit gefühlt von einer lebenserfahrenen Frau zum frechen Teenie und wieder zurück. Esther hat auffallend schöne Augen. Und eine Frisur, die auffällt. Aus dem geplant halbstündigen Interview wird ein zweistündiges Gespräch, so als ob wir uns lange kennen: „Meine Haare? Die schneidet Isolde Piso von Piso + Garz in der Ackerstraße. Die Strähne kam per Zufall. Ich hatte lange Haare, wollte kurze, Isolde schnitt und schnitt – und bei der letzten langen Strähne schauten wir uns an: Das ist es. Die bleibt. Die Frisur soll auf alle Fälle mein Markenzeichen sein.”

„Ich bin ein echtes Kind der 70er. Meine Eltern waren Diplompädagogen. Sie haben an mir und meiner Schwester alle damals propagierten soften Erziehungsmethoden ausprobiert und auch mit diversen Lebensarten experimentiert. Für meine Schwester und mich war das super, mal lebten wir in einer Kommune, mal mit meiner Mutter zusammen mit einer Frau. Die großen Fragen der Emanzipation haben wir sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen und können heute emanzipiert leben – frei und selbstbestimmt.“ Dann denkt Esther einen Moment nach. „Die Aufgabe für uns Frauen lautet jetzt: Wie gelingt Partnerschaft heute – nach der Emanzipation? Diese Frage beschäftigt mich immer wieder.“

Esthers Offenheit gegenüber verschiedenen Lebensentwürfen  und ihre Unkompliziertheit, aber auch das Hinterfragen von vermeintlichen Gegebenheiten scheint sich auch in ihren Kollektionen widerzuspiegeln. „Ich möchte, dass meine Mode von Frauen und Männern getragen werden kann. Ich mache keine separaten Kollektionen. Das muss man den Menschen erklären, aber danach macht es vieles einfacher.“ Sie lacht. „Mein bester Freund schnappt sich immer wieder Sachen aus meinem Schrank.“

Schon als kleines Mädchen wusste Esther, dass sie Mode entwerfen wollte. „Eine Freundin meiner Mutter hat mich nicht ernst genommen und darüber gelacht. Ich weiß noch heute, wie entrüstet ich war, dass sie mir nicht glaubte.“ 2004 gründet Esther, nach einer prägenden Zeit in Moskau und dem Mode- und Textildesign-Studium in Paris mit Abschluss des European Masters, ihr eigenes Label. Ihre Kollektionen dominiert die Farbe Schwarz.  Daneben tauchen auch mal Cremeweiß, Senf oder mattes Blau auf. Aber die Farben stehen für sich. Muster sucht man vergebens. Mutig greift sie auch zu ungewöhnlichen Materialien wie Holz für das Korsettartige Oberteil eines Kleides oder ein Accessoire.

Das schönste Kompliment über Esthers Mode machte eine Freundin, die eines ihrer Kleider auf der Fashionweek trug. Es war schlicht und hochgeschlossen, aber nach den Reaktionen der Männer fühlte sie sich als interessanteste Frau des Abends: „Es liegt daran, dass Deine Kleidung den Menschen trägt. Deine Kleidung trägt den Träger, und nicht umgekehrt.“

esther perbandt, Almstadtstraße 3, 10119 Berlin-Mitte

www.estherperbandt.com

© Verführer – Das Beste aus Berlin | Text: Stephanie Schneider | Foto: Claudia Weingart

 

Suchbegriffe: Modedesigner Berlin, Mode Berlin

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