Meine anspruchsvolle Geliebte: Schokolade

Schokolade ist eine Diva. Wenn man ihr nicht die volle Aufmerksamkeit schenkt, wird sie zickig. Das weiß jeder, der sich am heimischen Herd an der Herstellung von Pralinen versucht hat. Ich weiß es seitdem auch. Dabei wollte ich zusammen mit einer Freundin dem neblig-trüben Novembertag nur ein paar Endorphine abtrotzen. Nämlich durch kreative Küchenarbeit mit dem Glücklich-Macher Nummer 1: Schokolade. So können wir super für Weihnachten üben, meinten wir vollkommen unbedarft. Dunkle Kardamompralinen, weiße Champagnertrüffel, Zimtkugeln! Wir schwebten im siebten Schoko-Himmel. Die Rezepte lagen parat, die gekauften Zutaten waren erlesen und wir beide völlig unwissend im Umgang mit Schokolade. Womit fängt man an? Logisch, zuerst mal schnell nebenbei die Kuvertüre schmelzen. Von wegen. Dieses „schnell nebenbei“ kostete uns Lehrgeld. Beim Erwärmen hatten wir das Wasserbad nicht im Griff, ein paar Tropfen schwappten in den Schokoschmelztiegel, und augenblicklich bröckelte die dunkle Pracht dahin. Durch keinen Trick, weder durch Zugabe von Sahne, Butter oder sanfter Worte, war sie wieder in den erstrebenswert cremigen Zustand zu bringen. An diesem Nachmittag tranken wir sehr viel heiße Schokolade mit Kardamom und Zimt. Der Champagner half uns mental über die Pralinenpleite hinweg.

Warum es eine Kunst ist, Schokolade herzustellen

Zum Glück gibt es in Berlin einige erstklassige Manufakturen, die sich mit Leidenschaft der Herstellung und Verarbeitung von Schokolade widmen und denen solche Fehler nicht passieren. Dort weiß man um die Eigenarten und Ansprüche der Vielgeliebten:  „Man muss sich Zeit nehmen für die Schokolade und sie mit Achtsamkeit behandeln. Denn sie verzeiht keinen Fehler in der Produktion“, erklärt Nina Engel vom Berliner Atelier Cacao in der Linienstraße. Der Rohstoff Kakao ist nicht unerschöpflich. Kakaobutter, den Grundstoff für Schokolade, kann man nicht synthetisch gewinnen. Zudem hat die Pflanze gewisse Wachstumszyklen, ist anfällig für Schädlinge oder Schimmel und auch nicht leicht zu ernten. Diese Divenhaftigkeit verzeihen wir der Schokolade natürlich auf der Stelle, denn sie schenkt uns ihrerseits unvergleichliche Genussmomente, wenn sie beim Zubeißen verführerisch knackt, um sich dann in sanftem Schmelz unserem Gaumen hinzugeben.

Bis man Schokolade in der beliebten Tafelform genießen kann, sind jedoch viele Arbeitsschritte nötig, die Zeit, Mühe und Kenntnis im Umgang mit ihr voraussetzen. Als Stichworte seien hier nur das Walzen, Conchieren und Temperieren genannt. Sogar das Gießen und Lagern bedarf Fachkenntnissen, damit wir am Ende eine dunkel glänzende, gleichmäßige Tafel aus der Silberfolie befreien können. Viele Berliner Schokoladenmanufakturen bieten übrigens Kurse an, in denen Ihr die Verarbeitung von Schokolade lernen könnt.

Wer sich näher mit ihr befassen will, der versteht, warum Schokolade ein wertvolles und verständlicherweise auch etwas teureres Produkt ist. Kauft Ihr die Tafel für 59 Cent im Supermarkt-Angebot, müsst Ihr wissen, dass Ihr mit dem Preis auch an der Qualität der Zutaten spart. Investiert Ihr ein paar Euro mehr, werdet Ihr mit echtem, nachhaltigen Genuss belohnt. Auch Eure Endorphine werden es zu schätzen wissen.

© Verführer Berlin | Text: Stephanie Schneider | Fotos: Thomas Siepmann (Pralinen) / www.pixelio.de, Rike (Kakaobohnen & Pulver) /  www.pixelio.de, Lichtbild Austria (Torte) /  www.pixelio.de, Zarni (Kakaobohnen) /  www.pixelio.de, Thomas Siepmann (Pralinen) / www.pixelio.de

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